Daten und fakten

Am 22. Juni 1941– im Laufe des 2. Weltkrieges – überquerten Truppen, die unter deutschem Kommando standen, die Grenze zur UdSSR und starteten den Vormarsch an der gesamten Ostfront. Dieser Tag gilt als Beginn des Großen Vaterländischen Krieges der UdSSR gegen Nazi-Deutschland und dessen Verbündete (1941-1945).

Innerhalb von zweieinhalb Monaten rückten die feindlichen Truppen dicht an die Grenzen der Stadt Leningrad (heute St. Petersburg) heran und umzingelten sie. Am 8. September wurde die Landverbindung der Stadt zum Rest des Landes komplett unterbrochen. Am selben Tag wurden die Badajew-Lagerhäuser bombardiert, die in Flammen aufgingen. Dadurch verlor Leningrad quasi seine gesamten Lebensmittelvorräte.

Das System von Lebensmittelkarten, welches die Stadt eingeführt hatte, deckte nicht einmal die minimalen Bedürfnisse der Bevölkerung. Im November und Dezember 1941 bekamen die Angestellten, die Unterhaltsempfänger und die Kinder unter 12 Jahren nur 125 Gramm Brot pro Tag. Um zu überleben, aß man Haus- und Straßen-Tiere und fügte der Nahrung Tischlerleim, Baumwollsaatkuchen, Zellulose, Holz, Nadeln, Moos und andere Ersatzstoffe hinzu.

Die Lage in der Stadt verschärfte sich im Winter 1941-1942: Er war einer der kältesten, seit meteorologische Daten erfasst werden. Die Wasser- und Stromzufuhr in Wohnhäusern wurde komplett unterbrochen. Vom 11. Oktober 1941 bis zum 7. April 1942 stieg die Lufttemperatur in Leningrad kein einziges Mal über 0°С. Die minimale Temperatur im Januar betrug -32°С, im Dezember und im Februar -25°С. Im Winter 1941/42 überschritt die Zahl der Todesfälle unter der Zivilbevölkerung die Marke von 100.000 Menschen pro Monat.

Viele Leningrader starben oder blieben obdachlos infolge von Bombardements und stundenlangem Artillerie-Beschuss, die sich an 2 von 3 Blockade-Tagen wiederholten. Insgesamt wurden mehr als 7000 Wohnhäuser zerstört oder durch Feuer beschädigt.

Vom 12. September 1941 bis zum 30. März 1943 wurde die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Rohstoffen durch eine einzige Transportader gewährleistet, die durch den Ladogasee führte: mit Schiffen während der Schifffahrtsperiode und im Winter mit Lastwagen auf dem Eis. Diese Route, die Leningrad mit dem Rest des Landes verband, bekam den Namen „die Straße des Lebens“.
Die Straße des Lebens wurde auch benutzt, um Menschen, in erster Linie Kinder, zu evakuieren. Nach dem Krieg gelang es vielen Familien, deren Mitglieder während der Blockade voneinander getrennt wurden, nicht, sich wieder zu finden.

Am 18. Januar 1943 gelang es den sowjetischen Truppen, die Blockade Leningrads zu durchbrechen. In den darauffolgenden Monaten wurde die Verbindung der Stadt mit dem Rest des Landes durch einen schmalen, ca. 10 Kilometer breiten Landkorridor gewährleistet.
Doch erst am 27. Januar 1944 wurde die Stadt dann vollständig von der Belagerung befreit. Die Blockade Leningrads dauerte insgesamt 872 Tage – also fast zweieinhalb Jahre.

Bis heute gibt es keine verlässlichen Zahlen zu den zivilen Opfern im belagerten Leningrad. Verschiedene Quellen sprechen von 600.000 bis 1.500.000 Toten, es gibt aber auch Studien, die selbst diese Zahlen für zu niedrig halten.